10 Der Knoten

Die Steinskulpturen von Herbert Meusburger waren und sind bislang von einer stark architektonisch-konstruktivistischen Formalsprache geprägt. Grob behauene, modulartige Elemente führt der Künstler zu vielteiligen Formationen zusammen, die gestalterisch an Zäune, Tore, Fensterstücke oder Brücken erinnern. Auch Stelen- und Würfelformen sind ständig wiederkehrende formale Komponenten in seinem Schaffen. Mit der Knoten-Serie überrascht der Künstler nun mit einer neuen Serie von Plastiken, in denen er gegenständlich wird. Konkret geht es um die figurative Form des Knotens, die er singulär in Kalkstein oder Bronze und aber auch in installativen Anordnungen umsetzt.

Die wesentliche Grundqualität eines Knotens besteht darin, etwas zu vereinigen, festzuhalten und damit auch zu bannen, während seine Auflösung eine Freisetzung von Kräften oder eines Wesens bewirkt. Inhaltlich will er in erster Linie auf die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Prozesse und Umwälzungen anspielen. Denn schaut man sich heute in der Welt um, so scheint sich der Schicksalsknoten der Menschheit immer enger zusammenzuziehen. So wie es immer schwieriger wird, einen Knoten zu lösen, je fester man ihn zugezogen hat, so scheint auch die heutige Welt immer mehr im eigenen Morast zu versinken.

Den sprichwörtlichen Knoten der sukzessiven Selbstzerstörung zu lösen, zählt wohl zu den größten Herausforderungen der Gegenwart.

Ein Symbol der Zeit.

Die Idee zum Knoten als Skulptur entstand über die Gestaltung eines Awards für den Verein „Kolumination“.

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